Tidbinbilla – eine Wanderung vorbei an Kängurus, Wallabys und Koalas

24. September

Das Tidbinbilla Naturreservat liegt ungefähr 44 km südlich von Canberra, der Hauptstadt Australiens. Neben der unberührten Natur und einer Ruhe, in der man sich fast nicht traut zu atmen, weil es zu laut sein könnte, kann man hier auf fast alle Tiere treffen, für die Australien bekannt ist (ja, auf Spinnen bestimmt auch, aber von denen spreche ich nicht!).

Das Tidbinbilla Naturreservat

Nach einer sehr kalten und windigen Nacht probierten wir am Morgen zum ersten Mal unseren Gasherd aus – die Rest Area Point Hut, auf der wir geschlafen haben, hatte keine Stromversorgung für unseren Camper und so konnten wir die Steckdosen nicht verwenden. Aber was wäre ein Morgen ohne Kaffee!

Etwas aufgewärmt machten wir uns dann auf zum Tidbinbilla Naturreservat. Da wir gestern Abend so nah wie möglich am Reservat campiert haben, waren wir innerhalb weniger Minuten bereits dort. Zusammen mit der Eintrittskarte erhielten wir eine Landkarte, die die Hauptstraße (eine 15 km lange Straße, auf der man mit seinem eigenen Auto entlang fuhr), alle Wanderwege und Parkplätze zeigte und auch angab, welche Tiere man auf welcher Route häufig antraf. Wir waren sehr gespannt, ob wir denn auch tatsächlich alle sehen würden!

Wir fuhren mit unserem Camper hinein und bereits nach ein paar Metern sahen wir das erste Känguru. Es hörte das Geräusch des Autos, versteckte sich hinter einem Busch und erstarrte dort bis wir weiter fuhren – schlaues Tier. Unser erstes Ziel war der Eucalypt Trail. Hier führten zwei Wanderrouten von knapp 1 und 1,5 km durch einen Wald aus Eukalyptusbäumen. Das Tier, das man hier häufig antraf, war – wer könnte es glauben – der Koala. Ich hatte ja etwas Angst, dass ich nicht mal einen sehen würde, doch kaum hatten wir den Trail betreten, entdeckten wir den ersten. Während mein Freund noch das Warnschild über eine Schlange las, die wohl auch in diesen Wäldern leben sollte, machte ich schon fleißig Fotos von dem niedlichen Bären, der sich an einen Baum klammerte (vor allem heckte ich aber einen Plan aus, wie ich ihn in unseren Camper schmuggeln könnte – das kleine, faule Tierchen hätte das bestimmt gar nicht gestört). Und da waren sogar noch zwei weitere Koalas. Mit ihrem flauschig aussehenden Fell saßen sie da und waren am Relaxen und am Essen.

 

Als wir den Eucalypt Trail weiter liefen, hielten wir weiter Aussicht nach Koalas und Wallabys, die es hier auch geben sollte. Wallabys gibt es nur hier in Australien und die Beuteltierart gehört, genau wie die Quokkas, in die Familie der Kängurus. Wenn eines am Straßenrand vorbei läuft, kann man es sogar schnell mit einem Känguru verwechseln. Die einzigen Unterschiede, die ich wahrnehme, sind die dunklere Farbe des Fells, die kleineren Ohren, der kleinere Schwanz und überhaupt sind sie nicht ganz so groß wie Kängurus. Experten können aber bestimmt noch mehr aufzählen.

Über einen Weg, der an einen Trampelpfad erinnerte, liefen wir etwa einen Kilometer durch den Wald, sahen eine wunderschöne Natur, einen teilweise sehr dichten Wald, einen Gedenkstein an den Koala Lucky, der die Waldbrände von 2009 überlebt hatte, aber außer einigen Echsen und Vögeln keine weiteren Tiere. Versteht mich nicht falsch, es gibt sowohl interessante Echsen als auch Vögel, aber ich hatte mich so sehr auf die Tiere gefreut, die es bei uns nicht gab! Und plötzlich sah ich es, ein Wallaby – starr stand es da und schaute uns ganz gespannt an. Als es merkte, dass ich es gesehen hatte, sprang es schnell ein Stückchen weiter und guckte dann zurück. Vermutlich, um zu überprüfen, ob wir noch immer dort standen. So ein niedliches Tier! Ein paar Meter weiter fanden wir dann heraus, wo es hergekommen sein musste: Um eine kleine Futterstelle herum standen mindestens 15 Wallabys, die allesamt aufhörten sich zu bewegen, als wir sie anschauten. Umso näher wir ihnen kamen, desto mehr Angst hatten sie und liefen immer ein Stück weiter (besser gesagt, sie sprangen ein Stück weiter). Um sich fortzubewegen springen Wallabys, genau wie Kängurus, auf ihren Hinterpfoten durch die Gegend. Ihre Vorderpfoten verwenden sie tatsächlich, um nach Dingen zu greifen (genau wie wir). Sehr niedliche aber auch sehr scheue Tiere.

 

Danach wollten wir uns das Reptiliencenter des Reservats anschauen. Da die Reptilien draußen in einem großen Terrarium leben, gab es hier leider nichts zu besichtigen – für die Sonne und Wärme liebenden Tiere war es noch zu kalt. Ein Schild ließ uns wissen, dass sie erst im Frühling wieder raus kommen… War es nicht schon Frühling in Australien? Da wir aber sowieso keine Reptilien in dem Naturreservat erwartet hatten (außer denen, die hier sowieso schon rum liefen), waren wir nicht übermäßig enttäuscht und führten unsere Wanderung fort. Unsere nächste Route, die Black Flats, führte uns vorbei an einem See und weiteren Wäldern mit kleineren und größeren Lichtungen. Man kann dies aber nicht mit Landschaften in Deutschland vergleichen – alles erstreckt sich hier über unendliche Weiten. Als wir auf einem Aussichtspunkt standen und über all die mit Wäldern bewachsenen Berggipfel schauten, musste ich an Szenen in Filmen denken, in denen dem Zuschauer klar gemacht werden soll, in was für einem riesigen Wald sich die Hauptdarsteller gerade verlaufen hatten. Nur war dies kein Film und keine aneinandergeschnittene Szene, sondern die beeindruckende, wahrhaftige Natur Australiens.

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Manchmal mussten wir Tore durchqueren, die die verschiedenen Gebiete, in die das Reservat eingeteilt war, voneinander trennten. Anhand von kleinen Bildern konnte man erkennen, welches Tier sich dahinter befand. Irgendwann war dann endlich ein Känguru abgebildet. Natürlich waren die jeweiligen Gebiete sehr groß und die Wanderwege beschränkten sich nur auf einen kleinen Teil. Es gab also keine Garantie, sie tatsächlich zu sehen.

Wir liefen über den Pfad und konzentrierten uns darauf, ein Känguru zu finden. Von weitem entdeckten wir dann eins – am anderen Ende einer Lichtung, uns trennten bestimmt 200 m. Langsam, ganz langsam bewegten wir uns auf das scheue Tier zu und sahen, dass neben ihm noch viel mehr standen. Da immer mehr vor uns davon liefen, stoppten wir vielleicht 50 m vor ihnen. Einige aßen genüsslich weiter, andere schauten uns skeptisch an und wichen mit ihrem Blick nicht eine Sekunde von uns ab. Es waren die größten des Rudels, die uns beobachteten und wir nahmen an, dass sie vielleicht auf den Rest ihrer Familie aufpassten. Leider konnten wir sie nicht streicheln, da sie uns nicht so nah an sich ran ließen. Nichtsdestotrotz muss man diese treuen Augen und glücklich aussehenden Gesichter eigentlich einmal in seinem Leben gesehen haben!

 

Nachdem wir das Reservat verlassen hatten, überlegten wir uns, was unser nächstes Ziel sein würde und entschlossen uns, über Canberra nach Batemans Bay (an der Südostküste) zu fahren.

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3 Gedanken zu “Tidbinbilla – eine Wanderung vorbei an Kängurus, Wallabys und Koalas

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