Raymond Island – das Zuhause der Koalas

27. September

Heute besuchten wir die Koalainsel Raymond Island, die nur ungefähr 200–300 Meter vor der Küste von Paynesville lag, wo wir die Nacht auf einem Campingplatz verbracht hatten.

Die Überfahrt nach Raymond Island

Am Morgen genossen wir unseren Kaffee bei einem Ausblick auf das Meer. Das Wetter hatte sich gebessert, die Sonne schien und es waren Temperaturen von bis zu 25 Grad für den Tag vorhergesagt. So warm hatten wir es auch noch nicht, seit wir hier waren. Danach fuhren wir zum Hafen der Kleinstadt, wo die Fähre nach Raymond Island startete. Wir wussten bereits, dass die kleine Insel sehr nah am Festland liegen musste und waren gespannt, wie lang die Fahrt über das Wasser dauern würde. Unseren Camper durften wir mit nehmen. Zuerst wollten wir einen Parkplatz in Paynesville suchen und Raymond Island zu Fuß erkunden, allerdings war die Insel tatsächlich zu groß, um ohne Auto an einem Tag alles sehen zu können.

Da wir sowieso keinen Parkplatz fanden, der aussah als dürften wir ein Wohnmobil dort stehen lassen, entschlossen wir uns kurzerhand, es mit zu nehmen. Die Fähre sah für mich zunächst aus wie ein Bootsanleger, auf dem wir warten müssten. Sie hatte ein Ampelsystem und drei Spuren, auf denen jeweils 5-6 normal große Autos hintereinander parken konnten. An der Seite war eine kleine Brücke, auf der Fußgänger und Fahrradfahrer mitfuhren. Als alle Fahrzeuge standen, die Motoren ausgeschaltet und die Handbremsen angezogen waren (die Insassen blieben alle sitzen) fuhr sie dann los. Eigentlich hätte man die Strecke nach Raymond Island auch schwimmen können, denn innerhalb einer Minute waren wir schon da – das Fahren auf die Fähre und warten bis sie losfuhr dauerte länger als alles andere.

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Die Fähre

 

Der Koala-Pfad

Auf der anderen Seite angekommen, stellten wir den Camper erst einmal auf einen Parkplatz, um auf einer Route zu wandern, auf der man viele Koalas sehen konnte. Natürlich hätten wir den Weg auch abfahren können, aber da die Koalas teilweise sehr weit oben in den Bäumen chillten, konnten wir sie zu Fuß besser entdecken.

Wir hatten eine Karte bekommen, auf der alle Straßen und Wanderwege der Insel eingezeichnet waren. Genau wie im Tidbinbilla Naturreservat waren auch hier die Tiere, die man auf den Wege häufig sehen konnte aufgemalt (Koalas oder Kängurus). Der erste Weg den wir nahmen, war auch überall auf den Schildern als Koala-Pfad gekennzeichnet. Die ersten Tiere, die wir auf dem Pfad entdeckten, waren allerdings ein Känguru und ein Wallaby (es sollten auch die einzigen ihrer Sorte bleiben). Zwischen hohen Gräsern und Büschen standen die beiden und beobachteten uns.

Trotzdem dauerte es nicht lange, bis wir auch den ersten Koala sahen. Er saß hoch oben in einem Eukalyptusbaum. An den Rücken des nächsten klammerte sich sogar ein ganz kleiner Baby-Koala. Zwei der eigentlich faul herumliegenden Tiere hoben sogar ihren Kopf, schauten uns an und beobachteten ganz genau, wohin wir uns bewegten und was wir taten. Immer wieder spielte ich mit dem Gedanken, den nächsten, der in erreichbarer Höhe sitzen würde, in den Arm zu nehmen – sie sahen so niedlich und kuschelig aus (wie Teddybären). Aber die kleinen, knuffigen Bären waren zu schlau, um in erreichbarer Höhe herum zu hängen.

Ich weiß nicht, wie ich das, was sie in den Bäumen tun, besser beschreiben kann als „herumhängen“. Sie sitzen dort, manchmal umarmen sie einen Ast oder einen Stamm, aber meistens lehnen sie sich entweder mit dem Bauch oder dem Rücken an den Baum, strecken alle Viere von sich und entspannen (oder schlafen). Unglaublich eigentlich, dass sie dabei nicht herunterfallen! Wir sahen bestimmt 20 Koalas und der Ausflug nach Raymond Island hatte sich bereits nach einer Stunde vollkommen gelohnt.

 

Tour über die Insel

Zurück im Camper konsultierten wir die Karte und fuhren dann an das andere Ende der Insel. Hier gab es viele Strände und angeblich auch Kängurus. Die Beuteltiere fanden wir leider nicht, dafür waren die verlassenen Strände einmalig (verlassen wahrscheinlich nur wegen der Jahreszeit). Sie umrahmten, soweit wir gucken konnten, die gesamte Küste. Weißer Sand mit grünen Pflanzen im Hintergrund, kleine Bootsanleger, die in das tiefblaue Meer hinausragten und am Horizont eine weitere Landzunge Australiens. Der wolkenlose Himmel und die strahlende Sonne machten das Bild, das sich uns bot, perfekt.

 

Dank der Strände und vereinzelter Schilder konnten wir ungefähr erahnen, wo wir uns auf der Karte gerade befanden. Und dann – wie konnte es anders sein – verfuhren wir uns. Mal wieder – eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit auf einer Insel mit nur einer gepflasterten Straße. Plötzlich waren wir auf einer Straße, die so aussah, als würde hier nicht einmal ein Auto mit Allradantrieb entlangfahren. Aber warum sollte unser Wohnmobil das nicht schaffen? Eine Möglichkeit zu drehen gab es auch nicht wirklich, also: Augen zu und durch. Google Maps (das wir mal wieder viel zu spät einschalteten) behauptete einfach, da wäre gar keine Straße!

Wie viele Kilometer wir im Endeffekt unter diesen Verhältnissen zurücklegten, kann ich nur sehr schwer einschätzen, da wir in Schrittgeschwindigkeit über die herausragenden Wurzeln und abgebrochenen Äste fuhren, aber wir waren etwa eine halbe bis dreiviertel Stunde in diesem Wald unterwegs. Als wir endlich die Hauptstraße wieder erreichten, waren wir heilfroh, dass der Camper und wir die Tour unversehrt überstanden hatten. Und die Schilder zeigten uns dann auch, wo wir lang gefahren waren: auf einem Wanderweg. Sowas schaffen auch nur wir!

Alles in allem war der Ausflug nach Raymond Island wunderschön und er hat sich mehr als nur gelohnt. Etwas nervig waren nur die vielen penetranten und noch dazu sehr großen Mücken. Solltet ihr diese Insel jemals besuchen, zieht euch auf jeden Fall lange Sachen an!

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