Great Ocean Road II – ein Tag im Paradies

01. Oktober

Der zweite Tag und 114 weitere Kilometer auf und an der Great Ocean Road. Warum diese Küstenstraße eines der beliebtesten Ziele bei den Touristen ist, haben wir heute erlebt. Und noch haben wir nicht die ganze Straße gesehen.

Der Morgen im Apollo Bay Holiday Park

Ich konnte es ja kaum glauben, aber heute morgen schien die Sonne. Und nicht nur das: Es war warm. Wir holten unsere Stühle raus und tranken unseren Kaffee im Freien. Über was für kleine Dinge man sich doch freuen konnte! Ein Blick aufs Thermometer verriet aber, dass wir uns bereits an die Kälte gewöhnt hatten – es waren nur 16 Grad.

Trotzdem war unser erster Stopp der Strand in Marengo (keine 5 km entfernt). Natürlich nicht, um zu baden oder um in Badesachen in der Sonne zu brutzeln (dafür wäre es zu kalt gewesen), sondern um den weißen Sandstrand, die warme Sonne und den Ausblick auf das weite Meer in Ruhe zu genießen. Die Bucht, die insgesamt bestimmt eine Länge von 20 Kilometern hatte, endete ein paar Meter neben uns und war von riesigen Steinen und Felsen umrahmt. Und die hohen Wellen dort! Es waren die höchsten Wellen, die ich bisher gesehen hatte (das sollte sich aber im Laufe des Tages noch ändern).

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Cape Otway – auf den Spuren der Aborigines

Nachdem wir etwas Sonne getankt hatten, ging unsere Fahrt weiter zum Cape Otway. Hier befanden sich ein Leuchtturm und ein Nationalpark, in dem man sogar einen Einblick in die Welt der Ureinwohner Australiens, der Aborigines, werfen konnte.

Da der Leuchtturm nicht mehr in Gebrauch war, konnten wir ihn von innen besichtigen und von seiner Plattform aus die Aussichtig bewundern: Die Klippen, an die er gebaut war, das Grün des Nationalparks und die Weiten des Ozeans, auf dem man, mit etwas Glück, sämtliche Walarten sehen konnte (wie immer – kein Glück gehabt).

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Und dann folgten einige historische Stationen. Zuerst konnten wir uns einen Bunker aus dem 2. Weltkrieg ansehen und danach mein ganz persönliches Highlight des Parks: das Haus der Aborigines. Hier lebten selbstverständlich keine Ureinwohner, denen wir mal kurz Hallo sagten. Es handelte sich um eine Ausstellung, die die traditionelle Lebensweise der Ganabanud, des indigenen Stammes, der einst genau hier gelebt hatte, zeigte. Werkzeuge und Jagdutensilien aber auch Kunstwerke konnten hier in einem Haus, das der damaligen Zeit nachempfunden wurde, begutachtet werden.

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Eine australische Familie arbeitet derzeit mit der lokalen indigenen Bevölkerung zusammen, um die Kultur zu verstehen und den Besuchern nahebringen zu können. Natürlich war es interessant, einen kleinen Einblick in die damalige Lebensweise zu erhalten, viel spannender fand ich allerdings, dass mein Bild über die noch lebenden Aborigines komplett falsch gewesen war und dass ich erkennen musste, wie wenig ich überhaupt über die Ureinwohner dieses Landes wusste. Ich wusste zum Beispiel nicht, dass es nicht nur „die Aborigines“ waren, es gab viele verschiedene Stämme. Außerdem ist die noch lebende Bevölkerung nicht gefährlich. Es mag vielleicht nicht auf alle zutreffen, aber die meisten leben angepasst in Städten unter anderen Australiern. Nur noch vereinzelt findet man Orte, in denen sie ganz unter sich leben. Von den Sprachen und Dialekten ist viel übrig geblieben, wie man an vielen Städte- und Straßennamen erkennen kann.

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die verschiedenen Dialekte der Aborigines alleine in diesem Teil Australiens

Port Campbell National Park – das Paradies auf Erden

Nach der kleinen Geschichtsstunde ging es dann weiter in Richtung Port Campbell. Hier hatten wir auf der Karte viele Punkte markiert, die wir besichtigen wollten – allesamt im Port Campbell National Park, einem Nationalpark ganz nach meinem Geschmack: Er befand sich direkt an der Küste im Meer. Hier konnten wir alle 200 Meter zu einer neuen Attraktion abfahren. Definitiv ein Muss, wenn man auf der Great Ocean Road war.

Was die Natur hier geschaffen hatte, konnte auf Fotos nicht eingefangen und in Worten nicht beschrieben werden. Große Felsen standen vor der Küste im Meer und sahen aus, als wären sie absichtlich dort hingesetzt worden, um so eine schöne Landschaft zu ergeben. Tatsächlich war das, was wir hier bestaunen konnten, ganz allein von der Natur erschaffen. Hinzu kamen der unruhige, weite Ozean, der die höchsten Wellen, die ich jemals irgendwo gesehen hatte, an die Küste und die Felsen schlugen ließ. Mit dem Wetter, das wir gestern hatten, wäre es wahrscheinlich nur halb so schön gewesen, aber die Sonne hatte heute bereits den ganzen Tag gut mitgespielt und das tat sie auch hier. Die Wellen reflektierten sie und es sah aus, als würden diese beim Aufschlagen kleine Regenbögen hinter sich herziehen. Einzigartig! Wir sahen Naturereignisse, die schöner waren als alles, was der Mensch jemals hätte erschaffen können.

Unseren ersten Halt machten wir bei den Gibson Steps. Stufen, die von der hochgelegenen Küste bis hinunter zum Strand reichten. Natürlich war die Treppe nicht natürlich entstanden, aber sie war auch nicht die Attraktion. Bereits von hoch oben konnten wir zwei Gesteinsbrocken sehen, die hintereinander im Meer standen. Unten angekommen ergab sich ein atemberaubendes Bild aus Felsen, Wellen, Strand und Sonne.

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Von hieraus ging es weiter zu dem Highlight des Port Campbell National Parks: den 12 Apostles. Woher der Name kam, kann ich euch leider nicht sagen. Hier standen verschieden große und unterschiedlich geformte Felsen im Wasser und auf einem kleinen Wanderweg, der auf einer Klippe weiter hinaus ins Meer führte, konnte man sie besichtigen. Ich war auch zum ersten Mal wirklich froh, dass wir uns diese Zeit für unseren Urlaub ausgesucht hatten, denn obwohl wir sehr wenige Touristen bei anderen Attraktionen gesehen hatten, war hier die Hölle los. Jeder wollte einmal an diesem Ort gewesen sein und ich kann verstehen warum – wären hier nicht so viele Menschen gewesen, hätte ich nicht mehr weg gewollt.

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Loch Ard Gorge war die nächste Sehenswürdigkeit, die wir uns ansahen. Von oben sah man zwei Klippen, die kaum einen Durchlass für das Wasser bildeten und doch hatten die Wellen eine solche Kraft, dass sie es in großen Mengen hineinspülen konnten. Wir liefen ein paar Treppen hinunter zum Strand und sahen die traumhafte, kleine Bucht, die so geschnitten war, als müsste das Meer hier ruhig liegen, aber das tat es nicht. Sogar hier waren die Wellen noch so stark, dass selbst bei schönem Wetter Vorsicht beim Baden geboten war. Auf der anderen Seite der Bucht befanden sich Tropfsteine in einer kleinen Aushöhlung – was erstaunlich war, da das Meer diese Ecke zumindest heutzutage nicht mehr erreichte.

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Was ich an dieser Stelle auch gerne erwähnen möchte, ist, dass bei keiner dieser Sehenswürdigkeiten auch nur ein aufdringlicher Verkäufer stand, keine Kiosks oder sonstige Stände aufgebaut waren und wir keinen Eintritt bezahlen mussten. Für alle Durstigen war auf dem Parkplatz der 12 Apostels sogar ein Trinkwasserspender aufgestellt. Das zeigt wieder, wie besonders die Aussies doch sind!

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